Zyklothymia – ein rasantes Wechselbad der Gefühle. Mittelgroße Wellen der Emotionen.

 

Zyklothymia – Definition und Symptome

Die Zyklothymia, eine anhaltend affektive Störung, an der etwa 0,5 bis 1 Prozent der Bevölkerung leidet[1], erkennt man an einer abwechselnd niedergeschlagenen und gehobenen Stimmung. In einer Hochphase, also während einer gehobenen und euphorischen Stimmungsepisode, sind die Betroffenen in der Regel gut gelaunt, optimistisch, motiviert, sehr kreativ, redeselig und haben ein vermindertes Schlafbedürfnis. Während eines Stimmungstiefs hingegen sind die Zyklothymia-Erkrankten oftmals pessimistisch, haben ein erhöhtes Schlafbedürfnis oder leiden an Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen, Libidoverlust, geraten ins Grübeln, sind traurig und demotiviert. Dabei ähneln die letztgenannten Symptome den Symptomen und Anzeichen einer Depression.

Was unterscheidet eine Zyklothymia von einer bipolaren Störung?

Die Symptomatik einer Zyklothymia ist viel schwächer als die einer bipolaren Störung ausgeprägt. In der Regel erreichen Menschen, die eine Zyklothymia haben, keine Manie oder erleben keine schwere depressive Episode. Die Stimmung wechselt lediglich zwischen hypomanisch und leichter depressiv. Das entsprechende Pendant zur Zyklothymia bildet die Dysthymia[2].

Zyklothymia und Zyklothymie

Häufig werden die Bezeichnungen und Begriffe Zyklothymia und Zyklothymie synonym verwendet, sie bedeuten aber strenggenommen nicht das gleiche bzw. muss dazu angemerkt werden, dass das Wort Zyklothymie einen Bedeutungswandel erfahren hat: Karl Ludwig Kahlbaum (1828-1899) prägte ihn 1880, als er die zyklierende Natur dieser Störung beschreiben wollte. Er verstand damals die Symptomatik einer bipolaren affektiven Störung darunter. Erst später fing man an, die Begrifflichkeit der Zyklothymie auch auf das Krankheitsbild der Zyklothymia mit den leichteren Stimmungsschwankungen auszuweiten.

Zyklothymia – Verlauf

Die Stimmungswechsel können entweder durch ein bestimmtes Ereignis ausgelöst werden (reaktiv) oder ohne nennbaren Grund (spontan) auftreten.

Meist beginnt die Erkrankung in der späten Adoleszenz oder im frühen Erwachsenenalter und hält nicht selten ein Leben lang an.

Interessant ist, dass die Symptome bei manchen Betroffenen monatelang unauffällig bleiben können: weder die Stimmung noch der Antrieb können pathologisch sein oder erscheinen.

Zyklothymia und Arbeit

Wenn man an einer Zyklothymia erkrankt ist, kann es sein, dass das Nachgehen einer regulären und gewöhnlichen, normalen Arbeit (phasenweise) erschwert ist. Einerseits sind eine geregelte Lebensweise sowie ein strukturierter Tagesablauf hilfreich für Betroffene, andererseits kann eine kreative oder eine Arbeit mit flexiblen Arbeitszeiten den Zyklothymia-Betroffenen ermöglichen, auch in depressiven oder hypomanischen Phasen zu unüblichen Arbeitszeiten tätig zu sein, wenn sie sich wieder etwas stabilisiert haben. Dies gilt wahrscheinlich für alle psychischen Störungen.

Ohne eine Zyklothymia verherrlichen oder verteufeln zu wollen, kann man in vielen Fällen davon ausgehen oder zumindest annehmen, dass diese Art der Störung in hypomanischen Phasen für eine (leichte) Kreativitätssteigerung sorgt. Diese Kreativitätssteigerung bzw. überdurchschnittliche Kreativität eignet sich für – wie der Name schon sagt – kreative Berufe.

Es ist hilfreich, wenn man versucht, auch die vermeintlichen oder kleinen „Vorteile“ einer Störung herauszukristallisieren. Natürlich trösten sie nicht über das Leid, die Last und die Bürde der Erkrankung hinweg, aber sie gewährleisten eine positive Sicht auf die Dinge, die sicherlich nicht verkehrt ist.

Das Umfeld

Man kann nie genug betonen, wie wichtig ein verständnisvolles und hilfsbereites Umfeld ist. Man sollte Menschen, die diese oder auch andere Symptome und Krankheiten aufweisen, unterstützend und empathisch zur Seite stehen, sie nicht verurteilen und ihnen niemals Vorwürfe machen. Gute Freund*innen sowie geduldige Arbeitskolleg*innen und mitfühlende Angehörige können sehr stark zur Stabilisierung der Betroffenen beitragen.

Wichtig ist, als Familie und Freund*innen den Betroffenen das Gefühl zu geben, dass man sie nicht unter Druck setzt, ihnen Zeit gibt und sie, falls sie möchten, jederzeit das Gespräch über ihre Befindlichkeit suchen können.

Therapie

Eine Zyklothymia sollte behandelt werden, am besten mit einer Gesprächstherapie, wobei im Einzelfall abzuklären bleibt, welche Therapie die wirksamste und effektivste ist. Wenn eine schwere Form der Zyklothymia vorliegt, die die alltägliche und normale Lebensbewältigung stark beeinträchtigt, sollte man überlegen, ob eine medikamentöse Therapie vorübergehend sinnvoll und unterstützend sein könnte.

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[1] https://medlexi.de/Zyklothymia

[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Zyklothymia

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