Coronavirus: Angst vor Ansteckung und Rassismus

Coronavirus: Angst vor Ansteckung und Rassismus

“Niemand will sich mit dem Coronavirus infizieren. Angst vor Ansteckung legitimiert Rassismus und Diskriminierung trotzdem nicht!”

 

Seit Dezember 2019 breitet sich das Coronavirus weltweit aus, welches schwere Lungenentzündung verursachen kann. Die chinesische Provinzstadt Wuhan und ein dortiger Markt gelten als primärer Infektionsort. Mittlerweile gibt es unter anderem Krankheitsfälle in Russland, Indien, Japan, Australien, Ägypten, in Teilen Nordamerikas und in einigen EU-Ländern. Auch in Deutschland gibt es bestätigte Fälle. Das Bundesgesundheitsministerium schreibt, der Stand am 23. Februar 2020 sei, dass 78.823 Erkrankte gemeldet wurden, von denen bisher 2.462 verstorben sind.[1]

Gleichzeitig berichtet die Antidiskriminierungsstelle des Bundes, dass sie gegenwärtig vermehrt von Menschen asiatischer Herkunft oder asiatischen Aussehens kontaktiert werde, die in Zusammenhang mit dem Coronavirus Diskriminierungserfahrungen machen oder Ausgrenzung erleben.[2] So wurde beispielsweise einem Mann chinesischer Herkunft die Behandlung in einer Arztpraxis verweigert, obwohl er mit gänzlich anderen Symptomen in die Praxis kam, als sie für die Erkrankung mit dem Coronavirus typisch sind und er seit geraumer Zeit nicht mehr in China war. Ein vergleichbares Szenario erlebte eine Chinesin, die seit mehreren Jahren in Deutschland lebt, bei einem Gang zu einer Routineuntersuchung. Sie wurde trotz Termins an der Tür einer gynäkologischen Praxis abgewiesen, mit dem Hinweis, man wolle in der Praxis kein Risiko eingehen.[3] Eine chinesische Studentin berichtet von Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt. Ihr wurde eine Absage nach einer Wohnungsbewerbung erteilt, da man sich nicht mit dem Coronavirus anstecken wolle. In einem anderen Fall wurde chinesischen Touristen in einer süddeutschen Metropole der Zutritt zu einem Lebensmittelgeschäft untersagt. In Essen berichten chinesische Restaurants und Geschäfte von weniger Gästen und Umsatzeinbußen.[4]

Immer mehr Menschen in Deutschland und anderen Ländern erleben Vorfälle wie diese. Sie erfahren Diskriminierung, Anfeindungen und Ausgrenzung. Selbstverständlich möchte sich niemand mit dem Coronavirus infizieren, Uninformiertheit und Fake News schüren jedoch Angst und rassistische Vorurteile. Unter dem Hashtag #JeNeSuisPasUnVirus sammeln sich Kommentare, Posts und Fotos von französischsprachigen Menschen, die sich gegen rassistische Anfeindungen in Verbindung mit dem Coronavirus zur Wehr setzen.

Herrschende Unwissenheit und Ängste legitimieren noch lange keinen Rassismus und Diskriminierung. Informier dich, kläre dich und andere auf und fall nicht auf Halbwahrheiten rein, die zur Stimmungs- und Panikmache verbreitet werden! Vergiss nicht, das Äußere einer Person verrät dir weniger, als du denkst.

[1] https://www.bundesgesundheitsministerium.de/coronavirus.html, [24.02.2020].

[2] https://www.antidiskriminierungsstelle.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2020/20200212_Coronavirus.html, [24.02.2020].

[3] https://www.sueddeutsche.de/panorama/coronavirus-berlin-diskriminierung-medizin-chinesen-1.4785405, [24.02.2020].

[4] https://www.radioessen.de/artikel/coronavirus-essener-oberbuergermeister-thomas-kufen-verurteilt-diskriminierung-502040.html, [24.02.2020].